Kristin Kambach
bei  Google Plus
12.12.2012

Diesen Artikel...

Windkraftanlage

Windgas – auch wenn der Begriff beim ersten Hören befremdlich klingen mag, steckt dahinter ein interessantes, innovatives Konzept, das Antworten auf das drängende Problem der Stromspeicherung geben kann. Denn beim Windgas, auch Power-to-Gas genannt, handelt es sich um ursprünglich überschüssigen Windstrom, der im Gasnetz zu Methan umgewandelt und dort gespeichert oder weiterverarbeitet werden kann.

Die ungenügende Speicherkapazität von Strom sowie der schleppende Netzausbau stellen die wohl drängendsten Probleme der Energiewende dar. Diesen will man nun mit dem Windgas-Konzept begegnen, das nicht nur die Schwierigkeiten der Speicherung entschärfen, sondern zugleich den benötigten Umfang des Netzausbaus reduzieren kann. Die technische Entwicklung hierzu erfolgte im Kasseler Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) unter Leitung von Herrn Prof. Dr. Michael Sterner.

Und so funktioniert es:

Der überschüssige Windkraftstrom, der nicht sofort verbraucht werden kann, wird vom Strom- in das Gasnetz weitergeleitet. Hier dient er dazu, Wasser in seine Bestandteile Sauerstoff (O2) und Wasserstoff (H) zu spalten (› Elektrolyse[1]). Den Wasserstoff kann man anschließend zum einen für den Betrieb von Kraftwerken oder Brennstellenfahrzeugen verwenden. Zum anderen kann dieser in einem weiteren Schritt mit Kohlenstoffdioxid (CO2) reagieren, woraus das Gas Methan (CH4) hervorgeht (› Methanisierung[2]). Dieses künstlich erzeugte Gas kann wiederum in unterirdischen Höhlen gelagert, direkt zum Heizen, zum Betanken von Gasfahrzeugen genutzt oder in Kraftwerken rückverstromt werden.

Pro & Contra Windgas

Bei der Methanisierung, der Umwandlung von Wasserstoff in Methan, geht Energie verloren, die nicht anderweitig genutzt werden kann. Dem entgegen steht jedoch der weitaus höhere Energieverlust von Windkraftstrom, der aus dem Abschalten der Windkraftanlagen wegen fehlender Speichermöglichkeiten und mangelnder Netzkapazität resultiert. Im Jahr 2011 gingen so 407 Gigawatt (GWh) verloren, womit man ungefähr 100.000 Haushalte ganzjährig mit Strom hätte versorgen können[3]. Hieraus wiederum resultieren Kosten für den Verbraucher, der die Entschädigungen für Windkraftstromanbieter für das erzwungene Abschalten der Anlagen auf seiner Stromrechnung wiederfindet.

Im Gegensatz zum Stromnetz ist die Gas-Infrastruktur in Deutschland bereits sehr breitflächig ausgebaut und verfügt nach Expertenmeinung über eine Kapazität von ca. 10%, die für das Windgas genutzt werden könnte. Eine elegante Möglichkeit, das vorhandene Gasnetz auszuschöpfen und zugleich den kostenintensiven Ausbau des Stromnetzes – zumindest um einen geringen Teil – zu reduzieren.

Darüber hinaus handelt es sich bei dem künstlich erzeugten Methan um eine klimafreundliche und sehr vielseitige Energieform, die sich an die jeweilige Nachfragesituation flexibel anpassen könnte.

Eine bekannte Energiegenossenschaft gibt es bereits, die sich für das Windgas-Konzept entschieden hat und ihre Kundschaft ab 2013 mit der neuartigen Energieart versorgen wird.

Ein Vorreiter, der in den nächsten Jahren sicherlich viele Nachahmer haben wird.

 

Weiterführende Informationen:

Informationsseite der deutschen Energie-Agentur über das Thema Windgas

Das “Frauenhoferinstitut” über das Thema Windenergie & Energiesystemtechnik

“Greenpeace” über das Thema Windgas

Medien:

Kurzer Bericht über das Thema Windgas in der ZDF-Mediathek


[1] Wikipediaeintrag über Elektrolyse
[2] Wikipediaeintrag über Methanisierung
[3] Artikel auf welt.de über den Verlust von Energie durch die fehlenden Speichermöglichkeiten von Windstrom

VN:F [1.9.22_1171]
Hier kannst du den Beitrag bewerten:
Rating: 5.0/5 (1 vote cast)
Windgas im Aufschwung, 5.0 out of 5 based on 1 rating