Deutschland diskutiert über Erdgas-Fracking

Kristin Kambach
bei  Google Plus
15.11.2012


Erdgas Fracking

Fracking, abgekürzt von Hydraulic Fracturing, ist ein spezielles Bohrungsverfahren zur Gewinnung von Öl und Erdgas. Die USA wenden diese Methode bereits verstärkt zur Schiefergas-Förderung an. In Deutschland findet Erdgas-Fracking bisher lediglich bei Probebohrungen Anwendung. Doch schon diese sorgen unser Orts für emotional geführte Diskussionen zwischen Umweltschützern, Anwohnern, Politikern und Wirtschaftsvertretern.

Fracking wird zur Gewinnung unkonventioneller Erdgasvorkommen eingesetzt. Dieses unkonventionelle Erdgas befindet sich im Gegensatz zu konventionellem nicht in porösen Gesteinsschichten, sondern in sehr dichten, feinporigen Lagerstätten, die herkömmlichen Förderungsverfahren entgegenstehen. Um das fest eingeschlossene Gas – meist in Tonschichten oder Schiefergestein gelegen – an die Erdoberfläche befördern zu können, müssen diesen Schichten künstliche Risse zugeführt werden. Und genau solche Gesteinsbrüche werden mit der Methode des Frackings erzeugt. Durch horizontal angeordnete Rohre werden sehr große Mengen Wasser, Sand sowie ein in variierender Konzentration und Zusammensetzung vorkommendes Chemikaliengemisch unter hohem Druck in die Gesteinsschichten gepumpt (Tiefe: 1.000m bis 5.000m). Die hieraus resultierende Spaltung macht die Lagerstätten durchlässig und ermöglicht schließlich die Förderung des Gases.

Dass es sich beim Fracking aus technischer und ökonomischer Sicht um ein durchaus effektives und letztlich sehr lukratives Unterfangen handelt, wird recht schnell deutlich. Umweltschützer und große Teile der Wissenschaft schlagen jedoch Alarm und warnen im Zusammenhang mit Fracking vor unkalkulierbaren Risiken für Mensch und Natur. In der nachstehenden Übersicht werden die wichtigsten Argumente beider Seiten – also der Gegner wie der Befürworter des Erdgas-Frackings – wertneutral aufgeführt.

CONTRA Erdgas-Fracking

• Die toxischen Substanzen, die beim Fracking neben der Verwendung von Wasser und Sand eingesetzt werden, können das Grundwasser und Erdschichten verschmutzen. So könnten krebserregende Stoffe in den menschlichen Organismus gelangen.
• In erdbebengefährdeten Gebieten können durch die unterirdischen Sprengungen kleinere Beben ausgelöst werden.
• Fracking ist sehr aufwendig und kostenintensiv.
• Der hohe Wasserverbrauch, der für das Verfahren benötigt wird, fehlt an anderer Stelle (z.B. in der Landwirtschaft).
• Fossile Energiequellen sind klimaschädlicher als Erneuerbare. Bei einer Steigerung der Gas-Förderung könnten diese vom Markt verdrängt werden.

PRO Erdgas-Fracking

• Inländisches Fracking impliziert eine Unabhängigkeit zu anderen Exportländern.
• In den durch das Fracking entstandenen Hohlräumen kann später klimaschädliches Kohlendioxid gespeichert werden.
• Bis zur 100%igen Versorgung durch regenerative Energiequellen kann Erdgas nach dem Atomausstieg eine Brückenfunktion übernehmen.
• Ein hohes Erdgas-Angebot kann insgesamt zu sinkenden Energiepreisen führen (in den USA zu beobachten).
• Die niedrige Konzentration des eingesetzten Chemikaliengemisches (2%) kann keine eklatanten Umweltschäden auslösen.

Erdgas-Fracking in Deutschland

Im Gegensatz zu den USA, wo das Fracking dieser Zeit seinen Höhepunkt erlebt, werden in Deutschland bisher nur Probebohrungen durch den amerikanischen Konzern ExxonMobil durchgeführt. Diese finden vor allem in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen statt und haben dort in der Vergangenheit mehrfach zu Bürgerprotesten geführt[1]. Diese mehrten sich insbesondere, nachdem es bei den Bohrungen wiederholt zu umweltkritischen Zwischenfällen gekommen war[2].
Im September 2012 stellte das Umweltbundesamt ein von Bundesminister Peter Altmaier in Auftrag gegebenes Gutachten mit dem Titel „Umweltauswirkungen von Fracking bei der Aufsuchung und Gewinnung von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten – Risikobewertung, Handlungsempfehlungen und Evaluierung bestehender rechtlicher Regelungen und Verwaltungsstrukturen“ vor[3] . Als die umfangreichste ihrer Art (467 Seiten), weist die Expertise hier unter anderem auf die Gefahr hin, dass die beim Fracking eingesetzten Chemikalien das Grundwasser verschmutzen könnten. In der Konsequenz sprechen sich die Verantwortlichen für ein Verbot von Fracking nahe Trinkwasser- und Heilquellenschutzgebieten aus. Eine Empfehlung für ein generelles Unterlassen wird jedoch nicht aufgeführt. Vielmehr raten die Experten dazu, die Methode des Frackings infolge von Forschungsarbeiten und den daraus resultierenden Erkenntnissen zu verbessern und sie in ihrer jetzigen Gestalt nur unter strengen Sicherheitsvorschriften zu erlauben. Bundesumweltminister Peter Altmaier begrüßte diese Empfehlungen und kommentierte sie wie folgt „Die Ergebnisse und Empfehlungen des Gutachtens bringen uns in der Diskussion um Fracking ein großes Stück voran. Die Risiken für das Grundwasser sind klar benannt. Bevor Fracking zum Einsatz kommt, müssen sämtliche Bedenken ausgeräumt sein“´[4]. Zudem räumt Altmaier der Fracking-Thematik mit der Integration in seinem Plan „Zehn Punkte für die Umwelt“ (Punkt 7: Diskussion über unkonventionelle Erdgasvorkommen (Fracking) verantwortlich gestalten) einen hohen Stellenwert ein und signalisiert zugleich Gesprächsbereitschaft[5]. Noch für Dezember dieses Jahres ist ein Expertentreffen angekündigt, in dessen Rahmen man über eine gesetzliche Regelung für das Fracking beraten will.

Deutsche Erdgasimporte 2012

Das dem Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) unterstellte Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) beziffert die nach Deutschland importierte Erdgasmenge in dem Zeitraum Januar bis August 2012 mit 2.522.015 Terajoule (Vorjahreszeitraum: 2.474.607)[6] . Die drei wichtigsten Exportstaaten waren dabei:
• Russland 966.661 Terajoule
• Norwegen 890.005 Terajoule
• Niederlande 542.994 Terajoule

Zukünftig wird Deutschland sein Erdgas voraussichtlich noch in weitaus größeren Mengen von Russland beziehen. Im Oktober dieses Jahres wurde die zweite Röhre der Ostseepipeline mit einer direkten Verbindung vom russischen Wyborg zur deutschen Ostseeküste (Lubmin) in Betrieb genommen [7]. Russische Medien geben für die Pipeline eine maximale Kapazität 55 Milliarden Kubikmetern Erdgas an, womit 26 Millionen deutschen Haushalte versorgt werden könnten.

Wer mehr über das Fracking in den USA erfahren möchte, kann sich den US-Dokumentarfilm “Gasland” bei Youtube anschauen. Entweder über die Homepage Gaslandthemovie (englisch) oder auf Youtube (deutsch).


[1] Erdgassuche in Deutschland oder Europa und konventionelles Erdgas
[2] Bericht des NDR über umweltkritische Zwischenfälle beim Fracking
[3] Umweltauswirkungen von Fracking bei der Aufsuchung und Gewinnung von Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten – Risikobewertung, Handlungsempfehlungen und Evaluierung bestehender rechtlicher Regelungen und Verwaltungsstrukturen
[4] Gemeinsame Pressemitteilung des Umweltbundesamtes (UBA) und des Bundesumweltministeriums (BMU) über das Zulassen von Fracking in Deutschland”
[5] 10 Punkte Arbeitsprogramm von Bundesminister Peter Altmaier
[6] Bericht über die Erdgasimporte vom August 2012
[7] Artikel über die zweite Röhre der Pipeline für Erdgas von Russland nach Deutschland

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