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17.12.2012

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Der Weltklimagipfel 2012 ist vorüber und hat nur bedingt zu nachhaltigen Ergebnissen geführt. Um die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius zu beschränken, werden die getroffenen Beschlüsse voraussichtlich nicht ausreichen. Und auch sonst wird zunehmend Kritik an der nahezu 500.000 Millionen Dollar teuren Konferenz laut.

Fortsetzung des Kyoto-Protokolls bis 2020

Im Rahmen einer umstrittenen Abstimmung wurde das Kyoto-Protokoll verlängert. Kyoto II baut auf ein neues Gerüst, das jedoch keine schärferen Verpflichtungen vorsieht. Veranstaltungsvorsitzender Abdullah bin Hamad Al-Attiyah entschied dies am Ende der Konferenz mehr oder weniger im Alleingang, um dieser zumindest zu einem Minimalergebnis zu verhelfen. Kyoto II soll ab 2013 gelten und verpflichtet nur noch die 27 EU-Staaten sowie weitere europäische Länder und Australien. Japan, Neuseeland und Russland haben bei Kyoto II keine festen Klimaziele zu erreichen. Kanada ist nicht mehr dabei. Die Staaten mit den höchsten CO2-Emissionen China und die USA waren ohnehin von Anfang an nicht beteiligt.

Wozu verpflichten sich die Kyoto-Länder?

Die Kyoto-Länder verpflichten sich im Rahmen der neuen Vereinbarung zu festen Reduktionszielen zwischen 2013 und 2020. Außerdem ist beabsichtigt, die Klimaziele der Länder bis zum 30. April 2014 möglichst zu erhöhen. In der EU sollen die Treibhausgase im Vergleich zum Jahr 1990 um 20 Prozent gesenkt, bis 2014 die zugesagten Ziele für die CO2-Minderung überprüft werden. Allerdings sind die Kyoto-Länder nur für etwa 15 % der internationalen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Unklar ist, wie sich die anderen knapp 160 Staaten verhalten werden, die das Kyoto-Protokoll nicht unterschrieben haben. Insbesondere die Ratifizierung von Schwellenländern wäre ein wichtiger Schritt.

Darüber hinaus wurde ein siebtes Treibhausgas in das novellierte Protokoll aufgenommen. Es handelt sich dabei um Stickstofftrifluorid, das beispielsweise bei der Herstellung von Flachbildschirmen und Solarzellen zum Einsatz kommt. Grund für diese Entscheidung ist die Tatsache, dass die Menge an ausgestoßenem Stickstofftrifluorid stark gestiegen ist. Außerdem gilt das Gas als 17.200-mal klimaschädlicher als CO2.

Ein weiteres Ergebnis der Klimakonferenz in Doha stellt die Zusage einiger Industrieländer dar, ärmere Länder beim Einsatz klimafreundlicher Energien zu unterstützen. Hierzu zählen unter anderem Deutschland mit 1,8 Milliarden in den nächsten zwei Jahren und Großbritannien mit insgesamt 2,2 Milliarden. Grundsätzlich sollen künftig mindestens 100 Milliarden Dollar pro Jahr aus öffentlichen, privaten und sonstigen Mitteln in die Unterstützung von Entwicklungsländern fließen.

Woher das Geld genau stammen soll und wie viele Mittel in den Jahren bis 2020 zur Verfügung gestellt werden, ist indes noch nicht entschieden. Dieses wird ein zentrales Thema der nächsten Klimakonferenz in Warschau sein. Einen Entschädigungsanspruch für künftige und schon heute nicht mehr vermeidbare Schäden durch den Klimawandel erreichten die Entwicklungsländer hingegen nicht. Das Ansinnen scheiterte am Widerstand der USA, weitere Verhandlungen sind ebenfalls für 2013 angesetzt.

Zusätzlich wurde vereinbart, dass bis 2015 ein neues umfassendes Klimaschutzabkommen ausgehandelt werden soll, damit es 2020 in Kraft treten kann. Dies dient unter anderem dazu, auch die Länder mit den höchsten CO2-Emissionen, allen voran die USA und China, sowie langfristig alle anderen Länder mit in die Pflicht zu nehmen. Hierzu wurde in Doha ein grober Arbeitsplan beschlossen, in dessen Rahmen alle Staaten aufgefordert sind, sich intensiver für den Klimaschutz zu engagieren. Im Jahr 2014 soll ein Klimagipfel der Staats- und Regierungschefs stattfinden, der diese Anstrengungen weiter vorantreiben soll.

Kritik am Klimagipfel

Während sich Bundesumweltminister Peter Altmaier sehr zufrieden über die Ergebnisse von Doha äußerte, ernteten die wenig verbindlichen Ergebnisse des Klimagipfels von Seiten bekannter Umweltverbände wie BUND, WWF und Greenpeace scharfe Kritik. Auch der Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Hans-Joachim Schellngruber, sieht die Ergebnisse in keinem Verhältnis zum Ernst der Lage, so die Onlineplattform agrarheute.com.

Eckpunkte der Weltklimakonferenzen seit 1979

1979: In Genf treffen sich Wissenschaftler unter dem Dach der Weltmeteorologieorganisation (WMO) zur ersten internationalen Klimakonferenz.

1987: 24 Staaten unterzeichnen ebenso wie die EG das Montreal-Protokoll, um die Ozonschicht zu schützen. Das Montreal-Protokoll gilt als erster internationaler Versuch des gemeinsamen Umweltschutzes und tritt am 1.1.1989 in Kraft. Es wurde bisher von 196 Staaten ratifiziert.

1988: Die WMO und UNEP, das Umweltprogamm der Vereinten Nationen, beschließen die Einrichtung des Weltklimarats (International Panel on Climate Change (IPCC)).

1992: In Rio de Janeiro treffen sich Repräsentanten aus 172 Staaten zur UNCED (United Nations Conference on Environment and Development). Die Klimarahmenkonvention (UNFCCC) zur Minderung von Treibhausgasemissionen wird von mehr als 150 Staaten unterschrieben und tritt am 21.03.1994 in Kraft.

1997: Auf der dritten Conference of the Parties (COP) wird von den UNFCCC-Staaten 1997 das Kyoto-Protokoll beschlossen, in dessen Rahmen die Treibhausgase im Vergleich zu 1990 um mindestens fünf Prozent gesenkt werden sollen. Dem Kyoto-Protokoll schließen sich 37 Industriestaaten an.

Unter dem Kyoto-Protokoll versteht man ein beschlossenes Zusatzprotokoll zur Ausgestaltung der UNFCCC, das erstmals völkerrechtlich verbindliche Zielwerte für den Ausstoß von Treibhausgasen in Industrieländern festlegt. Bist Anfang Dezember 2011 wurde das Protokoll von 193 Staaten und der EU ratifiziert.

2005: Russland ratifiziert das Kyoto-Protokoll. In Folge dessen tritt es in Kraft.

2006: Der Stern-Report wird veröffentlicht, in dem erstmals die wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels beziffert werden.

2007: Auf der 13. Weltklimakonferenz in Bali wird der Bali Action Plan beschlossen, der Verhandlungen über einen Nachfolger des Kyoto-Protokolls und konkrete Verpflichtungen aller Staaten im Rahmen der Klimarahmenkonvention beinhaltet.

2009: Einige Staaten unterschreiben auf der Klimakonferenz in Kopenhagen den “Copenhagen Accord“, in dem sie sich unverbindlich zu Klimaschutzmaßnahmen verpflichten. Das Papier wird auf dem UN-Klimagipfel in New York lediglich zur Kenntnis genommen. China verspricht während der Konferenz in New York eigene Maßnahmen zur Verminderung von Treibhausgasemissionen zu treffen. Brasilien legt als erstes wichtiges Schwellenland fest, die Treibhausgasemissionen bis 2020 um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken.

2010: In Cancún vereinbaren die Mitgliedsstaaten Fahrpläne für die Verlängerung des Kyoto-Protokolls, um den Temperaturanstieg auf zwei Grad zu begrenzen.

2011: In Durban wird die zweite Phase des Kyoto-Protokolls beschlossen und ein Klimaabkommen in Aussicht gestellt.

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