Japan ab 2040 ohne Atomstrom

Kristin Kambach
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02.10.2012

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Demonstration gegen Atomkraft

Anderthalb Jahre nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima zieht die japanische Regierung nun Konsequenzen und kündigt den Atomausstieg bis zum Jahr 2040 an. Das Unglück wurde durch das schwerste Erdbeben in der Geschichte des Landes ausgelöst, ein Erdbeben der Stärke 9,0. Die Kernkraftwerke waren für Beben der Stärke 8,0 bis 8,3 ausgelegt.

Der Gau (größter anzunehmender Unfall) vom 11. März 2011 hat die Einstellung der japanischen Bevölkerung zur Atomenergie grundlegend verändert. Die japanische Bevölkerung ist generell ruhig, zurückhaltend und Massenkundgebungen eine Seltenheit.

Umso beeindruckender und aussagekräftiger erschienen vor diesem Hintergrund die Bürgerproteste, die sich nach der Katastrophe monatelang ereigneten. Zehntausende Menschen nahmen an den Demonstrationen auf den Straßen Tokios teil oder protestierten vor den Atomkraftwerken, als diese nach den Wartungsarbeiten wieder in Betrieb genommen werden sollten.

Nun hat die Regierung unter Premierminister Yoshihiko Noda den Ausstieg aus der Atomenergie bis 2040 beschlossen. Damit ist Japan nach Deutschland, Belgien und der Schweiz das vierte Land, welches dauerhaft auf Kernenergie verzichten wird.

Für Japan ist dies ein großer Schritt. Auf den ersten Blick mag die Zeitplanung großzügig, um nicht zu sagen halbherzig wirken, wenn man die Abschaltung aller AKW (Atomkraftwerke) bis 2022 in Deutschland vor Augen hat. Doch vor der Katastrophe bezog Japan noch 30% seiner Energie aus der Kernkraft, Deutschland hingegen gerade mal 11%. Zudem sieht sich die japanische Regierung einer mächtigen Atomkraft-Lobby entgegen, die den Ausstieg mit allen Mitteln zu verhindern sucht.

Der zwischenzeitlich geäußerte Vorschlag des japanischen Ministerpräsidenten Yoshihiko Noda, die nach dem Unglück heruntergefahrenen Reaktoren erneut in Betrieb zu nehmen, stieß bei der Bevölkerung wiederholt auf großen Unmut. Es bleibt abzuwarten, welche Kräfte des Landes – Regierung, Opposition, Bevölkerung, Atomkraftlobby, Umweltverbände – sich endgültig durchsetzen werden.

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