BITKOM und Fraunhofer-Institut sehen bei Privathaushalten Einsparungen von 5,6 Milliarden Euro

GDI
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13.11.2012

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Strommasten auf einem Feld

Ein wesentlicher Faktor für eine erfolgreiche Energiewende ist die Weiterentwicklung des Stromnetzes. Neue Trassen, beispielsweise zur Anbindung von Windparks, sollen gebaut werden. Außerdem soll der Stromverbrauch intelligenter organisiert werden. Dazu bedarf es sogenannte intelligente Netze, im Energiebereich auch Smart Grids genannt. Über sie soll zukünftig nicht nur Strom ausgetauscht, sondern auch Informationen zwischen Energieversorger und Stromabnehmer und zwar in beiden Richtungen.

Solche Netze ermöglichen ein Geschäftsmodell, bei dem die Volatilität erneuerbarer Energieerzeugung durch die Anpassung des Stromverbrauchs ausgeglichen wird. Das kann dann zum Beispiel so aussehen: Der Energieversorger bietet drei unterschiedliche Tarife an. Der Normaltarif wird bei einem ausgeglichen Verhältnis von Stromangebot und –nachfrage angeboten. Bei einem Überangebot ist der Strom zeitweise günstiger als der Normaltarif, bei Stromknappheit teurer. Über Smart Grids wird der Stromkunde über die unterschiedlichen Tarife informiert. Er kann Geräte mit vergleichsweise hohem Verbrauch so einstellen, dass sie erst dann angeschaltet werden, wenn der Strom günstig ist.

Intelligente Netze sparen neun Milliarden Euro und lösen neue Dienstleistungen von 1,7 Milliarden Euro aus

Oft wird diese Weiterentwicklung der Netze mit erheblichen Kosten gleichgesetzt. Der IT-Verband BITKOM sieht das anders. Auf Grundlage einer Studie des Fraunhofer ISI kommt BITKOM aktuell zu dem Schluss, dass intelligente Netze der deutschen Volkswirtschaft jährlich neun Milliarden Euro sparen und weiter 1,7 Milliarden Euro an Wirtschaftsleistung auslösen können.

Nach der Studie entfallen 5,6 Milliarden Euro auf Einsparungen bei den Stromkosten. Der Stromkunde, ob Haushalt oder Unternehmen, kann bares Geld sparen, wenn er seinen Stromverbrauch teilweise in Zeiten mit einem Stromüberangebot verlegt. So kann eine Waschmaschine zum Beispiel nachts betrieben werden, wenn allgemein wenig Strom verbraucht wird. Oder eben, wenn gerade viel Sonnen- oder Windstrom produziert wird. Die vorbereitete Waschmaschine empfängt in diesem Fall ein Signal, das sie in Gang setzt.

Das Fraunhofer-Institut kommt außerdem zu dem Schluss, dass intelligente Netze die Netzausbaukosten um 2,1 Milliarden Euro senken können. Durch intelligentes Management kann Strom beispielsweise bereits vor Ort genutzt werden. Große Stromtrassen zum Windstromexport von Nord nach Süd könnten dann entfallen.

Weitere 1,4 Milliarden Euro an Energiekosten könnten nach der Studie durch die Automatisierung von Gebäuden vermieden werden. Bei sogenannten Smart Buildings übernimmt die Technik einige Aufgaben, die normalerweise durch den Bewohner selbst erfolgen. Zum Beispiel können Fenster automatisch geöffnet und geschlossen und der Energieverlust beim Lüften damit minimiert werden.

Außerdem soll durch den Anreiz neuer Dienstleistungen der gesamtwirtschaftliche Nutzen um weitere 1,7 Milliarden Euro steigen. Schließlich müssen die entsprechenden Regler im Haushalt oder Unternehmen zunächst installiert werden. 0,6 Milliarden Euro entfallen dabei auf Dienstleistungen für Privathaushalte, die restlichen 1,1 Milliarden Euro auf Aufträge von Unternehmen.

Weitere Informationen zur Studie finden Sie hier.

Weiterführende Informationen zum Thema Smart Grids:

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